 Weinbau in Bünden

Ablauf der klimatischen Verhältnisse im Laufe der Jahrhunderte
(Verfasst 1950 zum 50 jährigen Jubläum des Bündner Weinbauvereins)
Wetterlagen, wie wir sie in diesem Sommer erlebten und die kalten Winter von 1962/63 und 1956 sind schon mehrmals vorgekommen. Bevor die meteorologischen Aufzeichnungen regelmässig erfolgten, stützt sich die ganze Klimageschichte Europas auf die alten Chroniken, wo von Unwettern, Schneegrenzen, Hungersnöten, Trockenzeiten, Anbaugrenzen von Wein und Getreide die Rede ist.
So muss um die Jahrtausendwende bis ins Hochmittelalter hinein in Nord- und Mitteleuropa ein ausserordentlich mildes klima geherrscht haben. Der Höhepunkt dürfte in der Zeit von 1100-1400 gelegen haben. Zwischen 1280 und 1380 wurde die Schweiz
17 Mal von Heuschreckenschwärmen heimgesucht. Weinbau wurde betrieben bis nach Ostpreussen hinauf; im Bündnerland bis in die Gegend von Truns und Domleschg.
Auch die Waldgrenze in unseren Alpen lag durchschnittlich 300 Meter höher als heute, was Funde von mächtigen Lärchenstrünken weit oberhalb der heutigen Calandahütte beweisen. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts setzte vorübergehend eine kältere Periode ein, besserte sich dann wieder, um erst im 16. Jahrhundert wieder schlimmer zu werden; mit strengen Wintern, Hungersnöten, bedingt auch durch die vielen Kriegshandlungen. Im 17. Jahrhundert schien dann wieder ein milderes Regiment zu herrschen; berichtet doch die Chronik von vielen guten und frühen Weinjahren. Ab 1739/40 trat dann wieder eine Verschlechterung ein, welche mit wenig Ausnahmen bis 1870 andauerte. Danach waren wieder mildere Winter zu Gast mit wenig Ausnahmen: 1928/29, 1939/40, 1955/56 und 1962/63.
Hier eine chronologische Aufzählung aussergewöhnlicher Jahrgänge
582 blühten die Bäume im Januar, ebenso
1087 1186 und 1288, Weinlese im August
1146 erfroren fast alle Bäume und Reben
1187 später Frühling und Herbst
1278 efroren die Reben am 25. Mai
1340 viel Korn und Wein. Reife trauben im Juli
1419 Mitte April blühende Trauben, Frost 8. Juni aber nicht viel
Schaden. Reife Trauben am 22. Juli
1420 Weinlese im August
1479 und 1480 ausserordentlich guter und viel Wein
1552 soviel Wein, dass wer ein Fass lehnen konnte, gleichviel
Wein bekam um ein solches zu füllen
1579 an Pfingsten die Reben durch Reif verdorben
1590 warmer Sommer, guter Wein
1594 am 12. Mai starker Reif, grosser Schaden
1595 später Frühling, Reif am 25./26. Mai, 3 Zoll Schnee grosser
Schaden
1596 ungeheure Traubenmassen zur Blühte, durch Regen fast
fast alles verdorben
1598 am 19. März herausgewachsene Trauben, Schnee am 29.
April, doch gab es guten Wein
1599 gab es viel und guten Wein
1600 verdarb vieles an den Weinreben
1602 21. und 22. April starker Reif, daher wenig Wein
1603 am 8. März in der Completer Halde Trauben gesehen.
Ausgezeichnetes Weinjahr
1605 am Ostertag und Osterdienstag viel Reif
1606 am 10. Oktober starker Reif, mehrere Tage der die
Trauben schädigte, alles Laub fiel ab
1607 am 9. März blühende Trauben, am 10. März Blitz und
Donner, nachher Kälte und Schnee, der Wein erfror!
1608 Kalter Winter, 9 Wochen strenge Kälte, doch gab es
ziemlich Wein
1612 später Frühling. Erst am 7. März begann man mit dem
Rebenschneiden. 8 Tage später hatte man schon Laub Batzen gross
1615 so warmer Sommer, dass das Emd verbrannte, worauf ein
kalter Winter folgte, in dem die meisten Reben erfroren
1616 heisser Sommer. Wein vortrefflich
1622 und 1629 haben die fremden Kriegsleute gewimmelt
1644 am Gründonnerstag aller Wein erfroren
1652 grosse Hitze und Tröckne, viel und vortrefflicher Wein
1654 späte Weinlese und doch viel und guter Wein. 80 Mass
Wein für 1 Sack Korn
1662 im Mai starker Reif, der nicht wenig- und auch sehr viel schadete
1666 warmer trockener Sommer, viel und vortrefflicher Wein
1707 und 1708 war der Wein sehr gut
1711 seit vielen Jahren wuchs kein so köstlicher Wein
1713 1 Mass Wein kostete 13 Kronen (teuer)
1723 1 Mass Wein kostete 4 Kronen (sehr billig)
1738 und 1740 waren totale Fehljahre
1743 bis 1749 gaben gute Jahre
1750 bis 1774 geringe bis gute Jahre
1798 und 1799 hat das fremde Kriegsvolk alles genommen
1800 keine Weinsteuer, die Rebberge waren grösstenteils verwüstet
1806 wenig, daher teuer
1811 war der Wein ausserordentlich gut
1816 war gar kein Wein
1817 bis 1820 wenig Wein, daher teuer
1821 war der Wein unbrauchbar
1822 wenig daher teuer
1823 und 1824 etwas mehr Wein, wieder billiger
1828 sehr viel und guter Wein. Aus 90 Mannschnitts 530 Zuber zu 80 Mass = ca. 63'000 Liter Wein
1830 ein Fehljahr
1831 bis 1850 waren mittlere bis gute Jahre
1851 am 12. November mit Haue und Schaufel Trauben aus dem Schnee gegraben
1860 Weinlese 29. November, 75° Oe, 108 Mass/Mannschnitts
1861 Weinlese 23. November, 88° - 94° Oe, 170 Mass
1862 Weinlese 10. November, 93° Oe, 80 Mass
1879 und 1880 geringe Jahre im Bezug auf Qualität und Quantität
1892 1893 und 1894 wenig Wein, ebenso...
1901 und 1905
1906 sehr viel und sehr guter Wein
1911 wieder sehr gut bei nur mittlerer Quantität
1912 1913,1916 und 1919 schlechte Qualität
1925 guter und viel Wein
1928 wenig Wein. Spätfrost 11. Mai
1929 guter Wein bei mittlerem Ertrag
1936 geringe Qualität und wenig
1939 ebenfalls die Trauben teilweise erfroren
1941 wenig weil die Trauben erfroren
1942 und 1943 gute Jahre bei mittlerem Ertrag
1944 viel Wein bei geringer Qualität
1945 gut aber wenig
1946 mittlerer Ertrag und Qualität
1947 sehr gute Qualität
1948 gute Qualität
1949 sehr guter Wein
1950 und 1951 viele faule Trauben
1952 gut aber wenig
1953 sehr gut, unter Frühjahrsfrost gelitten
1954 und 1955 geringe Jahre mit viel Säure
1956 im Februar viele Reben bis in die Wurzeln erfroren
1957 im April und Mai Fröste, was vielen alten Rebanlagen den letzten Schlag versetzte
1958 kleiner Ertrag
1959 Spätfröste im Mai, gute Qualität aber wenig
1960 Mittelernte, nasser Sommer und Herbst aber 3 Föhntage retten die ganze Ernte
Im Laufe von 100 Jahren durchschnittlich:
38 gute bis sehr gute Weinjahre
27 mittlere bis gute Weinjahre
17 geringe oder schlechte Weinjahre
18 Fehljahre
Im Testament von Bischoff Tello wird die Schenkung eines Weinberges in Sargans im Jahre 767 genannt.
Maienfeld ist im Jahre 968 erstmals erwähnt
Fläsch 1091
Jenins und Malans 1178  Hier die ganze Geschichte als PDF zum herunterladen!


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